Zusammenfassung

Die agile, entrepreneuriale, nachhaltige Transaktionsanalyse 3.0 entwickelt Modelle und Werkzeuge für die Agilität, Führung und Führungsaufgaben sowie die Persönlichkeitsentwicklung weiter. Zentrale weiterentwickelte Modelle sind Ichzustandsmodell, Autonomie, Hungerarten, Leiten-Führen-Managen, …

Prinzipien der Transaktionsanalyse 3.0

Der agile Dreiklang besteht aus Werten, Prinzipien und Werkzeugen und auch die Transaktionsanalyse basiert auf einer solchen Struktur, wobei die Werkzeuge häufig Modell heißen, wie bspw. das Ichzustandsmodell. Die aktuell stattfindende Entwicklung zur Transaktionsanalyse 3.0 ist ein innovativer und identitätsstiftender Prozess, der sich bereits in der Veränderung von Prinzipien und Modellen zeigt. Agilität und nachhaltige Entwicklung sind in den 12 Prinzipien hinter dem Agilen Manifest (2001) verknüpft. Für die Transaktionsanalyse stand die Stärkung der Gesundheit im Fokus, was ebenfalls eine nachhaltige Entwicklung ist. Eine gesunde und nachhaltige Entwicklung des Menschen bleibt Ziel einer Transaktionsanalyse 3.0.

Augenhöhe

Eric Berne führte als Gründer der Transaktionsanalyse (TA) die Augenhöhe im Verhältnis von Psychotherapeut:in und Klient:in ein. Transaktionsanalyse 3.0 basiert auf dem agilen Wert der Gleichwertigkeit von Menschen, und zwar ganz unabhängig von der Rolle. Das Prinzip Augenhöhe wirkt in der Gegenseitigkeit von Beziehungen und auch in den Haltungen zu anderen sozialen Systemen, was Nationalitäten, Religionen, … einschließt.

respekt, transaktionsanalyse

Respekt

Respekt ist ein Prinzip der Ethik der Transaktionsanalyse und ein agiler Wert in der agilen Projektmanagementmethode Scrum. Respekt ist reich an Perspektiven und ist Ausdruck der 5. transaktionsanalytischen Grundhaltung: „Wenn ich es recht bedenke, ist bei mir alles in Ordnung und die anderen sind mir recht, auch wenn sie anders sind“.

Glückliche Zufälle

Das Prinzip der Umstände und Zufälle aus dem Entrepreneurship ist Ausdruck einer Ressourcenorientierung und Mittelorientierung, die Chancen in den Vordergrund stellt und einen leistbaren Verlust akzeptiert. Agil gesprochen, ist das Prinzip Überprüfen und Anpassen hier enthalten. Glückliche Zufälle steht als Prinzip für das Schaffen von Entwicklungsräumen zum gegenseitigen Stärken, für das Einladen und Willkommen Heißen in ko-kreativen Prozessen.

Commitment

Commitment ist im Prinzip Selbstverpflichtung und in der Gegenseitigkeit auch eine Vereinbarung mit Dritten. Ergänzt durch den agilen Wert Fokus und das darauf basierende Werkzeug Timeboxing, steht Commitment nicht nur unter dem Vorbehalt von Treu und Glauben, sondern auch unter dem Vorbehalt der Veränderlichkeit der VUCA-Welt. Commitment ergänzt die vorhandenen Sichten auf Verantwortlichkeit und Vertragsorientierung in der Transaktionsanalyse.

Modelle und Werkzeuge der Transaktionsanalyse 3.0

Die ersten beiden Modelle der Transaktionsanalyse 3.0 sind der Autonomiezirkel und das 7-S-Modell der psychologischen Hungerarten, die im Artikel „Respekt“ – ein agiler Wert für das Miteinander auf Augenhöhe dargestellt sind. Ganz im Sinne von glücklichen Zufällen bilden sie Ergänzungen vorhandener, systemischer, transaktionsanalytischer Modelle.

Führungsmodelle und Führungstools aus der Transaktionsanalyse 3.0

Aufgrund eines Tätigkeitsschwerpunkts im Projektmanagement vom Chancen Navigator entstand eine hybride Betrachtung von Projektführung und Linienführung auf Basis eines transaktionsanalytischen Modells von Rolf Balling (s. Artikel). Führungsmindset und agiles Mindset sind weitere Modelle aus der Kombination verschiedener Modelle, auch aus dem agilen Führen heraus. Weitere Modelle zur Entscheidungsfindung und Konfliktlösung folgten, die ebenfalls Führungsaufgaben beschreiben. Unter Einbeziehung der persönlichen Erfahrungen als Projektmanager, Führungskraft und Führungskräftecoach entwickelte sich unter Integration des transaktionsanalytischen Leiten-Führen-Managen-Modells ein Modell von Führung, was als sehr hilfreich angesehen wird.

Modelle und Impulse zur Persönlichkeitsentwicklung mit Transaktionsanalyse 3.0

Während meiner Ausbildung in der Transaktionsanalyse und danach lernte ich das Egogramm als Werkzeug und die Ichzustände in Modellkombinationen als tolle Impulsgeber und Perspektivenschenker kennen. Im agilen Kontext stießen diese Denkmodelle jedoch schnell an ihre Grenzen, was z.B. die Veränderlichkeit im Erwachsenenalter oder als zukünftig sinnorientiert führender Mensch betraf. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fehlte mir die Unterscheidung in eher konstruktive und destruktive Anteile, wobei dies stets vom Bezugsrahmen des sich entwickelnden Menschen abhängt. Somit entstand ein weiterentwickeltes Egogramm für eine Entwicklung in Richtung agiles Mindset und ein Modell zur Persönlichkeitsentwicklung auf Basis des Ichzustandsmodells.

Ichzustandsmodell in der Transaktionsanalyse 3.0

Das Ichzustandsmodell ist ein zentrales Modell in der Transaktionsanalyse. Es basiert auf den Modellen von C.G. Jung, Eric Berne und den Grundzügen des „Functional Fluency Modell“ von Susannah Temple. Im Verhältnis zu C.G. Jung wurde insbesondere der Kind-Ichzustand (K) weiterentwickelt, was zu einer vollständigen Erklärbarkeit menschlichen Handelns führte.

Das unerklärliche ES nach C.G. Jung, was für Stephen King eine Inspiration für seinen Roman und die darauf basierenden Horrorfilme wurde, konnte durch den Kind-Ichzustand aufgeklärt werden. Außerdem konnte man erklären, dass die Fähigkeit „Dagegen“ zu sein oder „Nein“ zu sagen, nicht immer eine (skript-)freie Willensentscheidung ist, sondern dass beide Reaktionen aus dem angepassten Kind-Ichzustand (aK) stammen, welcher den Impulsen aus einen Eltern-Ichzustand (EL) folgt. Der Erwachsenen-Ichzustand (ER) ist der dritte elementare Ichzustand und ist u.a. für das Entwickeln neuen Verhaltens oder die Weiterentwicklung des Führungsmindsets erforderlich.

Bei den Ichzuständen änderte sich vor allen Dingen die Verbindung zur Spontanität (grün), was die produktiven Ichzuständen im Sinne der Autonomieentwicklung einschließt. Neu ist die Weiterentwicklung dieses Gedankens, so dass es nun in allen Ichzuständen konstruktive (grün) und destruktive (weiß) Ichzustandsanteile gibt, einschließlich dem Erwachsenen-Ichzustand.

Das Ichzustandsmodell aus der Transaktionsanalyse findet sich auch in Struktur-, Funktions- und Kommunikationsmodellen wieder. Die Ichzustände werden heute als Ich-Rollen in Analogie zu sozialen Rollen verstanden und basieren ebenfalls auf der Natur der 3 psychischen Organe.

Das Funktionsmodell dient zur Erklärung von gezeigtem Verhalten im Hier und Jetzt in verbalen und nonverbalen Gesprächssituationen. Eine führende Rolle wurde dann bspw. auf gleicher Ebene wie die Eltern-Ich-Rolle dargestellt, was die Hierarchie und den Status in Wechselwirkung verstärkte. Im Bild wurden alle Rollen in die Horizontale gedreht. Die Ichzustände blieben vertikal strukturiert, allerdings werden sich ggf. Bezeichnungen und Darstellungen in der weiteren Entwicklung noch ändern.

Agile, entrepreneuriale, systemische, Transaktionsanalyse 3.0

Eltern-Ichzustand – EL

Der Eltern-Ichzustand umfasst die Gesamtheit von Wissen, Werten und Wiegen, im Sinne von ein Kind im Arm wiegen. Unsere Vorbilder, Glaubenssätze, Ideale, Wertvorstellungen sind Teil dieses Ichzustands. Auch die individuellen Vorstellungen einer guten Mutter oder eines guten Vaters werden dem Eltern-Ichzustand zugeordnet.

Kritischer Eltern-Ichzustand – kEL

Der kritische Eltern-Ichzustand umfasst die Aspekte Werten und Wissen und dient zur Orientierung. Gesellschaftlich, traditionell betrachtet, umfasst dieser Ichzustand viele männliche, väterliche Eigenschaften und Vorstellungen, auch was Durchsetzungskraft oder Entscheidungsgeschwindigkeit anbelangt. Er untergliedert sich in zwei weitere Ichzustände.

Überkritischer Eltern-Ichzustand – ükEL (destruktiv)

Überkritisch bedeutet, dass hier hartes Werten oft mit Abwerten, Urteilen mit Vorurteilen und  Wissen mit Besserwissen verknüpft ist, was auch zu schnellen Entscheidungen führt. Die übermächtigen Tyrannen, strengen Väter, die Patriarchen, Narzissten, Egomanen und natürlichen Führungskräfte aber auch Lehrer, Ärzte, Rechtsanwälte bildeten diesen Ichzustand in ihrer individuellen Entwicklung stärker aus als andere. Kontrolle und Macht sind wesentliche Rollenperspektiven in diesem Ichzustand. Überkritisch bedeutet auch „über“ die Grenzen von anderen hinwegzugehen. Die Inhalte dieses Ichzustands wurden „über“ die Zeit unreflektiert übernommen oder der Inhalt ist „über“ der Zeit. Sprich – die Inhalte dieses überkritischen Eltern-Ichzustands sind „über“ dem Haltbarkeitsdatum, sind veraltet und nicht mehr zur aktuellen Situation passend.

Orientierung gebender Eltern-Ichzustand – oEL (konstruktiv)

Dieser Ichzustand gibt Kindern, Jobneulingen und auch sich selbst den Raum, die Zeit und die Struktur sich in einer neuen Situation zurechtzufinden. Ein Mindestmaß an Leitplanken wird gegeben, wobei auch Regeln, Werte und Normen eine Rolle spielen. Kontrolle ist hier mehr Controlling und als Hilfe zur (Selbst-)Reflexion verstanden.

Fürsorglicher Eltern-Ichzustand – fEL

Der fürsorgliche Eltern-Ichzustand umfasst die Aspekte Wiegen (ein Kind im Arm wiegen) und Werten in Anbetracht des Gemeinwohls. Gesellschaftlich, traditionell betrachtet, umfasst dieser Ichzustand viele weibliche, mütterliche Eigenschaften und Vorstellungen. Er untergliedert sich in zwei weitere Ichzustände.

Überfürsorglicher Eltern-Ichzustand (destruktiv)

Überfürsorglich bedeutet hier das allseitige Ummuttern. Helikoptereltern oder Gluckenmütter, die einem Kind jeden Raum zum Entfalten, Ausprobieren und Spielen rauben, und Altruistinnen, Krankenschwestern, Gewerkschafterinnen,  Sekretärinnen und andere Menschen mit Helfersyndrom bildeten diesen Ichzustand in ihrer persönlichen Entwicklung stärker aus als andere. Aus gesellschaftlich traditioneller Sicht sind hier viele weibliche, mütterliche Qualitäten verortet. Sicherheit, Pflicht, Gemeinwohl und Patriotismus oder der höhere Zweck sind wesentliche Rollenperspektiven in diesem altruistisch angehauchten Ichzustand. Überfürsorglich bedeutet auch „über“ die Grenzen von anderen und den eigenen hinwegzugehen. Die Inhalte dieses Ichzustands wurden ebenfalls „über“ die Zeit unreflektiert übernommen oder der Inhalt ist „über“ der Zeit. Sprich – die Inhalte dieses überfürsorglichen Eltern-Ichzustands sind „über“ dem Haltbarkeitsdatum, sind veraltet und nicht mehr zur aktuellen Situation passend.

nährender Eltern-Ichzustand – nEL (konstruktiv)

Dieser nährende Ichzustand tröstet, spendet Wärme, Zuversicht und Vertrauen. Sicherheit und Offenheit bilden die Grundlage für Beziehungen. Ohne Selbstaufopferung übernimmt dieser Ichzustand Verantwortung für andere im vereinbarten Maß. Dieser Ichzustand ermutigt, Neues auszuprobieren oder einen neuen Versuch zu starten.

Erwachsenen-Ichzustand – ER

Der Erwachsenen-Ichzustand ist mein Handeln und Sein also mein ICH und SELBST im Hier und Jetzt. Der Erwachsenen-Ichzustand bildet objektive Urteile, Handlungen oder Gedankenkonstrukte auf Basis von Werten, Ratio und Emotionen. Die Reflexionsfähigkeit, das prozedurale Lernen und die Fähigkeit zur Reifung in Entwicklungsprüngen / Entwicklungsschüben werden hier phänomenologisch verankert.

ER+ (konstruktiv)

Der Erwachsenen-Ichzustand mit seinen konstruktiven Anteilen konsultiert die anderen Eltern- und Kind-Ichzustände im Rahmen eines internen Beratungsprozesses und Entscheidungsprozesses für eine angemessene zur aktuellen Situation passende Reaktion oder Aktion. Der ER+ ist sich dabei einschränkender, limitierender Einflüsse aus der individuellen Vergangenheit bewusst und bewertet diese situationsangemessen neu. Das agile Prinzip Überprüfen und Anpassen ist Teil des Arbeitens des Erwachsenen-Ichzustands bis es nicht mehr als situationsangemessen, hilfreich, konstruktiv bewertet wird. Das ER+ würde dann folglich das Prinzip und die dahinterliegende Werte im EL neu bewerten und aktualisieren oder ersetzen.

ER- (destruktiv)

Der Erwachsenen-Ichzustand mit seinen destruktiven Anteilen bildet vermeintlich objektive Urteile, Handlungen oder Gedankenkonstrukte, die im Sinne des Trübungsmodells in der Transaktionsanalyse getrübt oder kontaminiert sind. Eine oft auftretende Kontamination besteht z.B. darin, die Gefühle jetzt mal außen vor zu lassen, weil sie nichts zur Sache tun. Eine andere häufig zu beobachtende Kontamination im unternehmerischen Denken ist die Limitierung der Entscheidungsbasis auf die Kostenperspektive, ohne andere Perspektiven oder Werte wie Diversität oder Multiperspektivität in der VUCA-Welt zu berücksichtigen. Auch negative Projektionen und Ängste auf Basis der Vergangenheit beeinflussen immer wieder in sitationsunangemessener Weise unser Denken und Handeln, was Teil des ER- ist.

Kind-Ichzustand – K

Der Kind-Ichzustand umfasst Genießen, Lebensfreude, Bindungsfähigkeit, Heiterkeit, Bravheit, Folgsamkeit, Leiden, Rebellion, Sabotieren und Strahlen. Der Kind-Ichzustand bildet die Brücke zum Körperlichen, zur Physis und demzufolge zu Affekten, Emotionen und Gefühlen. Der Kind-Ichzustand enthält auch das individuelle Sammelsurium der persönlichen Entwicklungsgeschichte und die bei Entwicklungsschritten nicht integrierbaren Persönlichkeitsanteile einschließlich Traumata.

Der Kind-Ichzustand wird im ersten Schritt in freier Kind-Ichzustand (FK) und angepasster Kind-Ichzustand (aK) unterschieden. Allerdings wird nur der aK in einem weiteren Schritt in weitere zwei weitere Ichzustände (bK und rK) unterteilt, deren Gemeinsamkeit das Folgen und die Beziehungsfähigkeit ist.

freier Kind-Ichzustand – fK

Der freie Kind-Ichzustand wird auch als natürliches Kind bezeichnet.  Der freie Kind-Ichzustand umfasst das Genießen, die Lebensfreude, die Heiterkeit und das Spielen. Er ist somit der Energiespender, der Resilienz-Faktor und Ursprung intrinsischer Motivation. Er untergliedert sich in zwei weitere Ichzustände.

fK+ (konstruktiv)

Das glückliche, freie, natürliche, spontane Kind zeigt Lebensfreude, Begeisterung, Spaß, Lachen, Spielen und Kreativität. Tanzen, Malen, Singen und anderes gehört dazu, sofern Selbstausdruck, Selbstentfaltung, … nicht die Grenze der natürlichen und konstruktiven Scham verletzen oder ein „Kater“-Gefühl oder Reuegefühl aufkommt.

fK- (destruktiv)

Die Spaßorientierung ist auch in diesem destruktiven, ultrafreien Kind-Ichzustand gegeben, allerdings in dem Ausmaß von „Spaß, bis es blutet“. Dabei sind dann eigene wie fremde Verletzungen in gleicherweise unbedeutend. Auch „die, die immer lacht“, befindet sich wohl häufig in diesem Ichzustand und reagiert situationsunangemessen.

braver Kind-Ichzustand – bK

Der brave Kind-Ichzustand ist Kern unserer Bravheit, Folgsamkeit und Kompromissfähigkeit sowie unserer Beziehungsfähigkeit auf Basis der Bindungsfähigkeit. Die Anpassungsfähigkeit und Intergrationsfähigkeit in soziale Systeme ist hier angesiedelt. Er untergliedert sich in zwei weitere Ichzustände.

bK+ (konstruktiv)

Als soziales Wesen integrieren wir uns in soziale Systeme, angefangen bei der Familie und später in Partnerschaften oder Unternehmen. Die Fähigkeit sich anzupassen, Kompromisse zu finden oder auch mal das zu tun, was für das soziale Gegenüber bedeutsam ist, gehören zu den wachstumsfördernden Eigenschaften dieses glücklichen, braven Kind-Ichzustands. Vertrauen, Offenheit und Beziehungsfähigkeit sind Teil dieses Ichzustands.

bK- (destruktiv)

Die ultrabraven Ichzustandsanteile werden oft als „Opfer“ identifiziert. Sie befinden sich in einer Überanpassung, in Angst vor der Öffnung gegenüber Neuem und leiden. Ähnlich wie beim üfEL werden eigene Bedürfnisse nicht mehr gesehen. Man wird Teil von Jammerclubs und Ja-Sager:in. Es findet Verwicklung statt Entwicklung statt, denn Abhängigkeitsgeflechte entstehen, was auch Masochismus einschließt.

rebellischer Kind-Ichzustand – rK

Der rebellische Kind-Ichzustand umfasst ebenfalls vorhersehbare Folgsamtkeit allerdings gepaart mit Unabhängigkeitsaspekten. Die Fähigkeit sich abzugrenzen wird diesem Ichzustand zugeordnet, genauso wie das zweite Gesicht. Er untergliedert sich in zwei weitere Ichzustände.

rK+ (konstruktiv)

Das rK+ ist ein sich gegen Ende der Adoleszenz und langsam entwickelnder Ichzustand. Er umfasst das Auflösen von Abhängigkeiten, z.B. zum Elternhaus, das sich Abgrenzen, das sich von anderen Lösen, das Loslassen von Werten und Traditionen. Das Einstehen und Einfordern der eigenen Grenzen und Bedürfnisse ohne negativen Egoismus und ohne Kampf als beste Verteidigung sind wichtige Eigenschaften eines Individuums in einem gesunden, konstruktiven, sozialen System. Grundsätzlich verändern sich die Rollenbeschreibungen für die Ichzustände je nach Alter bzw. Entwicklungsstand. Ein dreijähriges Kind schreiend und um sich schlagend auf dem Supermarktboden ist situationsangemessen und daher konstruktiv, bei einem Erwachsenen wäre dies nicht mehr so.

rK- (destruktiv)

rK- bleibt oft zeitlebens aktiv, wenn man vor Wut um sich schlägt oder trotzig und schreiend auf dem Boden liegen bleibt, wie ein dreijähriges Kind oder im Dagegen-Modus verharrt (vgl. rK+). Auch viele einsame Wölfe, die sich durch das Leben beißen, bilden diesen Ichzustand stärker aus oder switchen in den gesellschaftlich anerkannteren ükEL-Ichzustand. Passive Aggressivität, (unbewusste) Sabotage von sich selbst und anderen gehören zu diesem Ichzustand, genauso wie Ironie, schwarzer Humor u. dgl., da hier stets das Eigentliche verdeckt wird, wie beim zweiten Gesicht. Strahlen und sich über andere erheben sind ebenfalls destruktive Erscheinungsformen dieses Ichzustands bis zum Sadismus.

Neue Strukturmodelle und Funktionsmodelle in der Transaktionsanalyse 3.0

Das Ichzustandsmodell taucht auch im Strukturmodell aktueller (ehemals 1.) Ordnung auf, was offenbart, welche Ichzustände bisher mit welcher Intensität ausgebildet wurden. Ein Strukturmodell entspricht der psychischen Struktur eines Menschen, die in einem Egogramm sichtbar wird. Mit den Ichzuständen und dem Strukturmodell n-ter (ehemals 2.) Ordnung lassen sich sowohl vorsprachliche Entwicklungen des Menschen als auch Entwicklungen im Erwachsenenalter erklären. Der Index n steht für den aktuellen Entwicklungsstand, so dass n-1 ein vorheriger Entwicklungsstand ist. n+1 hingegen wäre vom aktuellen Entwicklungsstand ein Entwicklungssprung, bei dem eine neue Struktur entsteht.

Das psychische Leben eines Menschen beginnt aus der Strukturperspektive mit einem Ichzustandssystem K0-ER0-ELbereits pränatal im Mutterleib und entwickelt sich im Idealfall zyklisch bis zum Tod weiter. Es gibt verschiedene Modelle zur Ichentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung vom Säugling bis ins Erwachsenenalter. Auch in der Kinder- und Jugendpsychologie gibt es verschiedene Modelle zu Entwicklungsstufen und damit verbundenen, gemeisterten Entwicklungsaufgaben, die sich fortwährend weiterentwickeln. Auch wenn im Bild ein K6-ER6-EL6 Ichzustandssystem bei einem Vater abgebildet ist, so dient diese Nummerierung nur beispielhaft zur Veranschaulichung, um zeigen, dass es jetzt mehr Ordnungsebenen gibt als im ursprünglichen Strukturmodell 2. Ordnung.

Persönlichkeitsentwicklung, Coaching, Transaktionsanalyse

Effizienzmodell und Effektivitätsmodell aus der Transaktionsanalyse 3.0

Der ursprüngliche Sinn der Unterteilung von Funktionsmodell und Strukturmodell lag in der Aufteilung der Wie-Frage und der Was-Frage. In der Transaktionsanalyse 3.0 wurden daraus Effizienzmodell (Wie) und Effektivitätsmodell (Was). Außerdem ist noch Platz für ein Legalitätsmodel (EL-Systeme bspw. für Werte und Sinn) und ein Legitimitätsmodell (K-Systeme bspw. für Motivation, Akzeptanz, Bedürfnisse) entstanden, so dass wichtige Elemente für den (agilen) Kulturwandel, die Strategieberatung und andere tiefgreifende Veränderungsprozesse in die Transaktionsanalyse 3.0 eingeflossen sind. Bei Fragen, einfach Kontakt mit mir aufnehmen.

Historische Entwicklung bis zur Transaktionsanalyse 3.0

Transaktionsanalyse (TA) ist weltweit als anerkannte Psychotherapie im Einsatz und gehört zur humanistischen Psychologie. Lediglich in Deutschland mit dem kranken Gesundheitssystem ist dieser Therapieansatz nur Privatpatienten vorbehalten. Demzufolge ist in Deutschland die Transaktionsanalyse in den drei weiteren Anwendungsfeldern „Pädagogik / Erwachsenenbildung“, „Beratung“ und „Organisation“ weiterverbreitet als in der „Psychotherapie“. Auch viele Modelle aus der Arbeitspsychologie, Personalpsychologie und Organisationspsychologie oder aus dem NLP (Neurolinguistische Programmierung) basieren auf den drei klassischen, transaktionsanalytischen Schulen (Transaktionsanalyse 1.0):

  1. San-Francisco-Schule
  2. Neuentscheidungsschule (Mary und Robert Goulding)
  3. (Jacqui Lee) Schiff-Schule (Neubeelterung)

Einen guten und sehr zugänglichen Einstieg in die TA ermöglicht aus meiner Sicht das Buch von Werner Rautenberg, Rüdiger Rogoll (2014). Werde, der du werden kannst: Persönlichkeitsentfaltung durch Transaktionsanalyse, Kreuz Verlag (Amazon-Werbung).

Diese Bildung von Schulen führte jedoch nicht zur Trennung und gesonderten Methoden, sondern führte über die integrative und beziehungsorientierte Transaktionsanalyse zur systemischen Transaktionsanalyse 2.0 und zur Ausbildung des vierten Anwendungsfelds „Organisation“.

Die Ursprünge der TA in Organisationen liegen jedoch schon bei Eric Berne selbst, der 1963 mit seiner psychologischen Betrachtung „funktionsgestörter Gruppen“ in seinem Buch „Struktur und Dynamik von Gruppen und Organisationen“ einen Grundstein für die Transaktionsanalyse im Anwendungsfeld „Organisation“ legte.

Die Transaktionsanalyse wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts kontinuierlich weiterentwickelt. Sie bietet heute als systemische Transaktionsanalyse nach Bernd Schmid und dem Anwendungsfeld Organisation sehr gute und anschauliche Konzepte für die Wirklichkeitskonstruktion durch Kommunikation im Arbeitsleben.

Coaching

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Was zeichnet die Transaktionsanalyse 3.0 weiterhin aus?

  • sinnvolle Verknüpfung verschiedener psychologischer Betrachtungsweisen
  • Berücksichtigung allgemeinmenschlicher Gegebenheiten als Ausgangspunkt für Theorie & Praxis
  • Vertrags- und Entscheidungsorientiertheit
  • Verfahren zur erlebnishaften Korrektur prägender, einschränkender Kindheitserfahrungen
  • Ebenbürtige Partnerschaft zwischen TA-Partner:in und Partner:in
  • Ausrichtung auf Leitziele
  • Integration von agilen, entrepreneurialen und systemischen Ansätzen

Transaktionsanalyse mit dem Leitziel Autonomie

Der Begriff „Autonomie” wird in der Transaktionsanalyse mit mehreren Aspekten gefüllt:

  • selbstbestimmte Verbundenheit zu sich selbst, anderen und der Welt
    Dieses Prinzip spiegelt sich auch in dem Ausdruck „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst”, in der Achtsamkeitslehre oder in den Ansätzen zur Corporate Happiness aus dem gleichnamigen Buch.
  • offene und aufrichtige Kommunikation, Freiheit von Psychospielen
  • Spontanität, Fähigkeit zum lebendigen und unmittelbaren Selbstausdruck
  • Bewusstheit, vorbehaltlose sinnliche Wachheit
  • Bindungsfähigkeit, Kontakt ohne Verstrickung bspw. durch Abhängigkeit
  • Skriptfreiheit nach Eric Berne: „strukturelle Neueinstellung und Reintegration” der psychischen Inhalte und Energien

Mehr zur Autonomie und zum Autonmiezirkel ist im Artikel „Respekt“ – ein agiler Wert für das Miteinander auf Augenhöhe enthalten.

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Humanistisches Weltbild ist Grundlage der Transaktionsanalyse

Diese Veränderungsprozesse der letzten Jahrzehnte innerhalb der Transaktionsanalyse vollzogen sich auf Basis des humanistischen Gedankengutes und dessen Weltbilds. In der Psychotherapie bleibt die Transaktionsanalyse daher leider Privatpatienten vorbehalten, wie andere Therapieformen auch (vgl. AGHPT – Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie). Die Transaktionsanalyse geht von den Grundannahmen aus, dass:

  • „jeder Mensch in all seinen Schattierungen und in seiner Ganzheit in Ordnung ist,
  • jeder Mensch in der Lage ist, die Verantwortung für sein Leben und dessen Gestaltung zu übernehmen. Er verfügt dazu über die Fähigkeit der bewussten Wahrnehmung und Steuerung seiner mentalen, emotionalen und sensorischen Vorgänge und der sich daraus ergebenden Handlungen bzw. sozialen Interaktionen.
  • jeder Mensch als fähig angesehen wird, sein Lebenskonzept (oder Lebensgestaltungsmuster) schöpferisch, zuträglich und konstruktiv zu gestalten.”

(DGTA (2014). Grundgedanken und Ursprünge der Transaktionsanalyse)

Zur Transaktionsanalyse ist unter Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse e.V. – TA eine elegante Theorie mehr zu finden. Dort befinden sich auch die Ethikrichtlinien, denen ich mich als Mitglied und Transaktionsanalytiker verpflichte.

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