Zusammenfassung

Ein Überblick über die Entwicklung der klassischen Transaktionsanalyse seit Mitte des 20. Jhdt. über die systemische Transaktionsanalyse bis zur agilen, entrepreneurialen Transaktionsanalyse 3.0 und die zentralen Elemente humanistisches Weltbild, Ichzustandsmodell und Autonomie wird gegeben.

Historische Entwicklung

Transaktionsanalyse (TA) ist weltweit als anerkannte Psychotherapie im Einsatz und gehört zur humanistischen Psychologie. Lediglich in Deutschland mit dem kranken Gesundheitssystem ist dieser Therapieansatz nur Privatpatienten vorenthalten. Demzufolge ist in Deutschland die Transaktionsanalyse in den drei weiteren Anwendungsfeldern „Pädagogik / Erwachsenenbildung“, „Beratung“ und „Organisation“ weiterverbreitet als in der Psychotherapie. Auch viele Modelle aus der Arbeitspsychologie, Personalpsychologie und Organisationspsychologie oder aus dem NLP (Neurolinguistische Programmierung) basieren auf den drei klassischen, transaktionsanalytischen Schulen (Transaktionsanalyse 1.0):
  1. San-Francisco-Schule
  2. Neuentscheidungsschule (Mary und Robert Goulding)
  3. (Jacqui Lee) Schiff-Schule (Neubeelterung)
Einen guten und sehr zugänglichen Einstieg in die TA ermöglicht aus meiner Sicht das Buch von Werner Rautenberg, Rüdiger Rogoll (2014). Werde, der du werden kannst: Persönlichkeitsentfaltung durch Transaktionsanalyse, Kreuz Verlag (Amazon-Werbung). Diese Bildung von Schulen führte jedoch nicht zur Trennung und gesonderten Methoden, sondern führte über die integrative und beziehungsorientierte Transaktionsanalyse zur systemischen Transaktionsanalyse 2.0 und zur Ausbildung des vierten Anwendungsfelds „Organisation“. Die Ursprünge der TA in Organisationen liegen jedoch schon bei Eric Berne selbst, der 1963 mit seiner psychologischen Betrachtung „funktionsgestörter Gruppen“ in seinem Buch „Struktur und Dynamik von Gruppen und Organisationen“ einen Grundstein für die Transaktionsanalyse im Anwendungsfeld „Organisation“ legte. Die Transaktionsanalyse wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts kontinuierlich weiterentwickelt. Sie bietet heute als systemische Transaktionsanalyse nach Bernd Schmid und dem Anwendungsfeld Organisation sehr gute und anschauliche Konzepte für die Wirklichkeitskonstruktion durch Kommunikation im Arbeitsleben.

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Der Schritt zur Transaktionsanalyse 3.0

Die klassische Transaktionsanalyse gründet sich auf dem berne’schen Axiom der Autonomie als Leitziel der Persönlichkeitsentwicklung. Erst neuere Erkenntnisse aus der Neurobiologie nach Gerald Hüther, auf Basis des Lernprozesses nach Piaget im Cathexis-Ansatz und der Weiterentwicklung der Maslow’schen Bedürfnisse belegen dieses Autonomiebestreben bzw. den Selbstentfaltungshunger der Menschen.

Berne legte auch den Grundstein für eine haltungsorientierte, vertragsorientierte Zusammenarbeit zwischen Klient:in und Therapeut:in auf #augenhöhe. Die Ethik-Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse e.V. definiert bspw. auf diesem Grundstein bis heute Werte und Prinzipien.

Agilität, agile Methoden und Entrepreneurship (modernes, innovatives, agiles Unternehmertum) basieren auf ähnlichen Werten und Prinzipien und blicken auf eine zeitgleiche Entwicklungsgeschichte zurück, wie der Artikel „Respekt – ein agiler Wert für das Miteinander auf Augenhöhe“ darstellt. Das 7-S-Modell der psychologischen Hungerarten in diesem verlinkten Artikel ist das erste Modell der agilen, entrepreneurialen, systemischen Transaktionsanalyse (Transaktionsanalyse 3.0).

Fantastisch wäre es, wenn der agile Wandel und Entrepreneurship als Teile des gesamtgesellschaftlichen Wandels der „Digitalen Revolution“ dazu führen, dass auch humanistische Psychotherapieansätze oder Osteopathie in Deutschland Teile eines gesunden Gesundheitswesens werden.

Wieso braucht es eine agile, entrepreneuriale, systemische Transaktionsanalyse?

Das Bild (↓) der agilen Zwiebel zeigt, dass die agile Organisationsentwicklung ebenfalls eine lernende Organisation zum Ziel hat. Das Bild zeigt auch die große Zwiebelschicht des Mindsets, was die TA als Bezugsrahmen in Kombination mit einem rollenbasierten, funktionalen Ich-Zustandsmodell beschreibt. Das Mindset wird somit in der Person verortet. Dies zeigt sich auch im Bild (→) zur Führung, denn hier ist das Führungsmindset der Führungsperson zugeordnet und nicht der Organisation. Anders ist dies bspw. bei der Führungskultur, diese ist der Organisation zugeordnet. Ein Kulturwandel, eine agile Transformation, eine agile Führungskräfteentwicklung, … braucht daher eine agile Transaktionsanalyse 3.0 und agile Transaktionsanalytiker:innen, damit die agilen Entfaltungsprozesse in Organisationen intrapersonell und interpersonell unterstützt werden können.

Übrigens sind auch agile Teams Teil eines agilen Mindsets und diese durchlaufen ebenfalls die gruppendynamischen Prozesse von den „kranken Gruppen“ im berne’schen Sinne bis zu Hocheffizienzteams oder Synergieteams,

Führung
Respekt, agile Zwiebel

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Was zeichnet die Transaktionsanalyse 3.0 heute aus?

  • sinnvolle Verknüpfung verschiedener psychologischer Betrachtungsweisen
  • Berücksichtigung allgemeinmenschlicher Gegebenheiten als Ausgangspunkt für Theorie & Praxis
  • Vertrags- und Entscheidungsorientiertheit
  • Verfahren zur Erlebnishaften Korrektur prägender, einschränkender Kindheitserfahrungen
  • Ebenbürtige Partnerschaft zwischen TA-Partner und Partner
  • Ausrichtung auf Leitziele
  • Integration von agilen, entrepreneurialen und systemischen Ansätzen

Transaktionsanalyse mit dem Leitziel Autonomie

Der Begriff „Autonomie” wird in der Transaktionsanalyse mit mehreren Aspekten gefüllt:

  • selbstbestimmte Verbundenheit zu sich selbst, anderen und der Welt Dieses Prinzip spiegelt sich auch in dem Ausdruck „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst”, in der Achtsamkeitslehre oder in den Ansätzen zur Corporate Happiness aus dem gleichnamigen Buch.
  • offene und aufrichtige Kommunikation, Freiheit von Psychospielen
  • Spontanität, Fähigkeit zum lebendigen und unmittelbaren Selbstausdruck
  • Bewusstheit, vorbehaltlose sinnliche Wachheit
  • Bindungsfähigkeit, Kontakt ohne Verstrickung bspw. durch Abhängigkeit
  • Skriptfreiheit nach Eric Berne: „strukturelle Neueinstellung und Reintegration” der psychischen Inhalte und Energien
Mehr zur Autonomie und zum Autonmiezirkel ist im Artikel „Respekt“ – ein agiler Wert für das Miteinander auf Augenhöhe enthalten

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Humanistisches Weltbild ist Grundlage der Transaktionsanalyse

Diese Veränderungsprozesse der letzten Jahrzehnte innerhalb der Transaktionsanalyse vollzogen sich auf Basis des humanistischen Gedankengutes und dessen Weltbilds. In der Psychotherapie bleibt die Transaktionsanalyse daher leider Privatpatienten vorenthalten, wie andere Therapieformen auch (vgl. AGHPT – Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie). Die Transaktionsanalyse geht von den Grundannahmen aus, dass:

  • „jeder Mensch in all seinen Schattierungen und in seiner Ganzheit in Ordnung ist,
  • jeder Mensch in der Lage ist, die Verantwortung für sein Leben und dessen Gestaltung zu übernehmen. Er verfügt dazu über die Fähigkeit der bewussten Wahrnehmung und Steuerung seiner mentalen, emotionalen und sensorischen Vorgänge und der sich daraus ergebenden Handlungen bzw. sozialen Interaktionen.
  • jeder Mensch als fähig angesehen wird, sein Lebenskonzept (oder Lebensgestaltungsmuster) schöpferisch, zuträglich und konstruktiv zu gestalten.”

(DGTA (2014). Grundgedanken und Ursprünge der Transaktionsanalyse)

Agile, entrepreneuriale, systemische, Transaktionsanalyse 3.0

Ichzustandsmodell in der Transaktionsanalyse

Das Ichzustandsmodell ist ein zentrales Modell in der Transaktionsanalyse. Es basiert auf dem Modell von C.G. Jung, jedoch wurde es weiter unterteilt, was insbesondere im Kind-Ichzustand zu einer vollständigen Erklärbarkeit menschlichen Handelns führte. Das unerklärliche ES nach C.G. Jung, was für Stephen King eine Inspiration für seinen Roman und die darauf basierenden Horrorfilme wurde, konnte durch den Kind-Ichzustand aufgeklärt werden. Außerdem konnte man erklären, dass die Fähigkeit „Dagegen“ zu sein oder „Nein“ zu sagen, nicht immer eine (skript-)freie Willensentscheidung ist, sondern das beide Reaktionen aus dem angepassten Kind stammen, welches den Impulsen aus einen Eltern-Ichzustand folgt.

Das Ichzustandsmodell aus der Transaktionsanalyse findet sich auch im Strukturmodell und im Funktionsmodell wieder. Das Funktionsmodell wird ebenfalls als Kommunikationsmodell bezeichnet wird. Die Ichzustände im Funktionsmodell werden heute als Ich-Rollen im Sinne von sozialen Rollen verstanden. Eine führende Rolle wird dann bspw. auf gleicher Ebene wie die Eltern-Ich-Rolle dargestellt. Das Funktionsmodell / Kommunikationsmodell dient zur Erklärung von gezeigten Verhalten im Hier und Jetzt in verbalen und nonverbalen Gesprächssituationen. Das Ichzustandsmodell taucht auch im Strukturmodell 1. Ordnung auf, was offenbart, welche Ichzustände bisher mit welcher Intensität ausgebildet wurden, es entspricht der psychischen Struktur eines Menschen. Mit den Ichzuständen und dem Strukturmodell 2. Ordnung lassen sich auch vorsprachliche Entwicklungen des Menschen erklären.

Das Ichzustandsmodell fließt auch in die Autonomie ein, denn das Nutzen der gesunden, konstruktiven, förderlichen Ichzustandsanteile (grüne Anteile im Bild) ist nach Eric Berne Spontanität. Die Entwicklung der Fähigkeit zur Spontanität ist Teil des Autonomieprozesses in der Transaktionsanalyse. Der Autonomieprozess, der agile Entwicklungsprozess, der Ich-Entwicklungsprozess und die Potentialentfaltung bauen allesamt auf den funktionalen, konstruktiven Ichzustandsanteile auf. Alle Prozesse beschreiben ebenfalls verschiedenen Stufen, Reifegrade oder horizontales und vertikales Wachstum in der Persönlichkeitsentwicklung, die über die systemische Stufe hinausgehen und assoziieren eine Werteentwicklung, Prinzipienentwicklung und somit eine Veränderung des Mindsets. Transaktionsanalyse 3.0 hat seit Transaktionsanalyse 1.0 geeignete Tools, Modelle, Werte, Prinzipien, …, jedoch gilt auch hier das agile Prinzip Überprüfen und Anpassen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung. Mehr gibt es im Newsletter oder bei der Zusammenarbeit mit mir, z.B. im Agile Coaching.

Zur Transaktionsanalyse ist unter Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse e.V. – TA eine elegante Theorie mehr zu finden. Dort befinden sich auch die Ethikrichtlinien, denen ich mich als Mitglied und Transaktionsanalytiker verpflichte.

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