#gerneperdu, #justduit und #CallMeByMyFirstName

#gerneperdu, #justduit und #CallMeByMyFirstName sind verschiedene Hashtags, die denselben Gedanken ausdrücken und einen Kulturwandel injizieren möchten. „GernePerDu, gerneperdu“ kennt darüber hinaus auch unterschiedliche Schreibweisen.

Was ist #gerneperdu?

#gerneperdu ist eine Initiative von Mitarbeitenden. #gerneperdu findet sich daher in den internen Telefonverzeichnissen von Firmen, Behörden und allen anderen Organisationen. Steht bei einem Namen eines mitarbeitenden Menschen das Hashtag #gerneperdu bedeutet dies, dass Du die Person einfach duzen darfst. Man sieht #gerneperdu auch in E-Mail-Signaturen, auf Türschildern, auf Stickern oder Lanyards.

Die Intiative findet sich mittlerweile auch im Internet, also den sozialen Medien oder Plattformen wie Xing oder LinkedIn.

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Wofür steht #gerneperdu?

Die Initiative möchte Hürden überwinden. Einige sich beteiligende Menschen sprechen andere oder fremde Menschen einfach proaktiv mit „Du“ an. Dies kann im beruflichen oder im privaten Kontext erfolgen. Hinter der Idee steckt das Prinzip Augenhöhe, welches ich auch als agiles Prinzip aufführe.

#gerneperdu beabsichtigt einen Kulturwandel und das Vermeiden von Aufwertungen und Abwertungen von Menschen durch die Sprache. Du kennst vermutlich selbst verschiedene Werte, die Deine Haltung / Dein Mindset bilden und Deine Handlungen beeinflussen, oder?

Führen auf Augenhöhe

#gerneperdu steht für Gleichwertigkeit von Menschen

Du kennst die Verhaltensregel „Alte Menschen siezt man“. Was macht den Unterschied zwischen einem „Sie“ und einem „Du“ für Dich aus?

Für viele Menschen steckt in diesem Fall die Anerkennung des Alters, der Erfahrung oder der Seniorität in der Ansprache „Sie“, die auch Respekt ausdrücken soll. Dies steht dann für die Aufwertung des Älteren und die Abwertung des Jüngeren. Dieser Grundsatz ist in den gesellschafltichen Kontext / die tradierten Werte eingeflossen und beeinflusst die Kultur und die Haltung / das Mindset eines jeden Menschen in dieser Gesellschaft. Dieser Grundsatz führt dazu, dass ein augenscheinlich älterer, rüstiger Mann mit leeren Händen zu einer jungen Schülerin in der vollbesetzten Straßenbahn sagt, dass „Sie“ (die Schülerin) für ihn den Sitzplatz freizumachen habe. Die Schülerin trägt einen Verband, sieht ziemlich geschafft aus und hat Schulranzen und Turnbeutel dabei. Die junge Schülerin macht daraufhin tatsächlich den Sitzplatz frei. Sie hört von dem älterer Mann kein Dankeschön, sondern wird nur angeraunzt, wie schlimm und rücksichtslos die Jugend ist. Außerdem beschwert er sich bei der jungen Schülerin, wie die anderen Passagiere auch, über den störrenden Schulranzen und den störrenden Turnbeutel.

Wie bewertest Du diese Beispielsituation? Sprachen die beiden gleichwertigen Menschen auf Augenhöhe miteinander?

Ähnliche unser Handeln beeinflussende Haltungen treffen wir an, wenn wir „unseren Chef“ nicht duzen können oder Ärzte und Götter-in-weiß automatisch mit „Sie“ ansprechen. Stets stehen ungleiche Wertigkeiten auf Basis von Standesdenken, Status, Macht, Position, Geld, Herkunft oder andere Wertvorstellungen im Raum, obwohl sich doch eigentlich zwei Menschen, zwei Geschöpfe Gottes, zwei Individuen, … gegenüberstehen, die sich in ihrer Gleichwertigkeit und dem Respekt für ihre Unterschiedlichkeit, Diversität und Individualität begegnen.

Wo treffen wir #gerneperdu an?

#gerneperDu ist ursprünglich eine Initiative im beruflichen Kontext gewesen. Über diese Initativen berichteten die süddeutsche Zeitung und die Welt. 2019 gründete sich auch die Initiative #gernperDu. Diese Initiative führte auch den Hashtag #CallMeByMyFirstName im internationalen, beruflichen Kontext ein.

Im beruflichen Kontext begegnete mir vier Jahre zuvor hingegen zuerst die Initiate #justduit, und zwar nicht bei einer Modemarke oder einem Baumark, sondern bei Bosch und bei Opel. Erstaunlich?

Agilität ist ein gutes Stichwort, denn in der agilen Kultur und im agilen Mindset gehört die Du-Ansprache zur regulären Umgangssprache. Das „Du“ ist somit nicht nur Teil des agilen Führens geworden, sondern floß auch in andere Managementansätze und Führungsansätze ein. Die Ironie des Lebens zeigte sich in der COVID-19-Zeit in einem live, online Teamentwicklungsworkshop in der Metallverarbeitenden Industrie, bei dem die Mitarbeitenden diskutierten, ob sie im Workshop duzen wollen, wie es in der Einladung von den Führungskräften angekündigt war. So kann es gehen, wenn aus einer freiwilligen Mitarbeitenden-Initiative eine vorgegebende Führungsinitiative wird.

Im privaten Umfeld und in sozialen Medien wird mittlerweile gefühlt mehr geduzt. Allerdings sind mir dort auch schon Beiträge begegnet, in denen sich die verfassenden Menschen über das Duzen und/oder die Respektlosigkeit, die geheuchelte Vertraulichkeit beschwerten.

Der Sinn von #gerneperdu

#gerneperdu ist aus meiner Sicht eine Einladung, sich freiwillig und auf #augenhöhe in gelingenden Beziehungen zu begegnen. Außderdem ist die Intitiative eine Einladung, sich über Respekt und andere Werte Gedanken zu machen, um diese ggf. neu zu bewerten und mit anderen Bildern zu füllen.