Was ist Persönlichkeitsentwicklung?

Persönlichkeitsentwicklung ist ein lebenslanger Veränderungsprozess, der durch biologische, körperliche Prozesse, Wandel im Umfeld und in der Gesellschaft und durch das individuelle Selbstentfaltungsbedürfnis in Gang gesetzt und gehalten wird. Im Sinne der evolutionären Psychologie lösen Menschen in verschiedenen Entwicklungsphasen Entwicklungsaufgaben und gelangen somit zum nächsten Reifestadium. Mit einem Wechsel des Reifestadiums gehen Veränderungen in der Gewichtung von Bedürfnissen und Werten einher, wodurch sich veränderte Haltungen und Weltsichten formen. Mit der Persönlichkeitsentwicklung wächst die individuelle Veränderungskompetenz, als genutzte Fähigkeit intra- oder interpersonelle Konflikte zu lösen oder sich äußeren Veränderungen adäquat anzupassen.

Coaching

Dynamische Bedürfnisse nach Maslow, Respekt

Persönlichkeitsentwicklung als Ausdruck der Reife in unterschiedlichsten Lebenslagen

Ein Reifestadium ist kein fest erreichter und allumfassender Zustand, sondern in jedem Reifestadium besteht stets die Möglichkeit zur weiteren Entfaltung und zur (temporären) Regression. Psychische Regression ist per se ein natürlicher Vorgang, der einem Rückfall in ein früheres Entwicklungsstadium beschreibt. Dem Rückfall entgegen steht der Vorfall in ein neues Stadium.

Für die Einteilung der Stadien gibt es verschiedene Modelle. Ein Modell, ist das der integrierten Persönlichkeit von Eric Berne, welches auch als integriertes Erwachsenen-Ich bezeichnet wird. Dieses Modell basiert auf dem Ichzustand-Modell der Transaktionsanalyse. Der Erwachsenen-Ichzustand entspricht der Neopsyche und ist der Ichzustand, der das Individuum im Hier und Jetzt steuert. Dabei bezieht der geläuterte, reflektierte, enttrübte Erwachsenen-Ichzustand zur heutigen Situation passende Werte im Sinne des Ethos mit in die Selbststeuerung ein. Ebenso bezieht der geläuterte, reflektierte, enttrübte Erwachsenen-Ichzustand zur heutigen Situation passende Emotionen, Gefühle und emotionale Bewertungen im Sinne des Pathos mit in die Selbststeuerung ein und ist sich ggf. einschränkender, vergangener Erfahrungen bewusst. Logos ist in diesem Zusammenhang die rationale, sachliche Zahlen-Daten-Fakten-Perspektive, die zusammen mit Pathos und Ethos zu aktuell situationsangemessenen Reaktionen / Handlungen, Denken und Fühlen führt.

Persönlichkeitsentwicklung, Persönlichkeit

Andere bekannte Modelle zur Persönlichkeitsentwicklung z.B. auf Basis des Modells von Jane Loevinger, die dynamischen Bedürfnisse nach Maslow oder die neuen Erkenntnisse in der Kinder- und Jugendpsychologie zeigen, dass der Mensch in der Regel mehrere Entwicklungsstufen bis zum Erwachsenenalter durchlebt und sich u.a. die vorrangigen Bedürfnisse verändern. Diese Erkenntnisse und der Ansatz der integrierten Persönlichkeit führen dazu, dass ich das Strukturmodell ebenfalls auf Basis des Ichzustand-Modells erweitere, um auch das weitere #entfalten im Erwachsenenalter darstellen zu können. Jedes vorherige Entwicklungsstadium bleibt im erweiterten Strukturmodell im Kind-Ichzustand des Folgestadiums enthalten. Die Ichzustände konstruieren dabei die neue Struktur aus dem bekannten und ergänzen um eine neue Perspektive, z.B. wie beim Wechsel von 2D- auf 3D-Filme. Das Strukturmodell bekommt so eine stärkere Entwicklungsprozesskomponente und lässt sich aus meiner Sicht auch besser mit dem Autonomieprozess und der Persönlichkeitsentwicklung verbinden. Gleichzeitig veranschaulicht dieses erweiterte Strukturmodell die psychologische Regression eines Erwachsenen in die Kind-Rolle im eigenen Elternhaus. Auch ein:e erwachsene:r Agilist:in, ein Mensch auf dem Weg zur Agilität, kann so im Stadium „be agile“ ein Modell zur Hand haben, um sich die Frage „Warum ist es Zuhause nicht so, wie auf der Arbeit?“ zu beantworten.

Persönlichkeitsentwicklung, Coaching
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Vorfälle vs. Rückfälle aus der Perspektive der Persönlichkeitsentwicklung

Vorfälle in der Persönlichkeitsentwicklung basieren auf Veränderungen in Beziehungen zu Menschen aber auch im Verhältnis zu Organisationen / Unternehmen oder Religionen / Spiritualität. Deutlich werden Vorfälle daher bspw. durch die Überwindung der vorsprachlichen Entwicklungsphase, der Pubertät, das Wechseln in die Elternrolle für das eigene Kind oder in eine Führungsrolle. Vorfälle beinhalten somit immer Wachstum, denn beim Schritt nach vorne setze ich proaktiv, neuentwickelte Lösungen oder reaktiv, reflektierte Lösungen ein. In beiden Fällen gibt es einen Zugewinn im persönlichen Bezugsrahmen und in der persönlichen Handlungskompetenz.

Ist das Verhalten situationsangemessen, so handelt es sich um erprobtes Verhalten, Denken und Fühlen, aus dem sich kein Veränderungsimpuls ergibt – eine Fallsituation ohne Vorfall und ohne Rückfall. 😉 daher Impulse Coaching

Beim Rückfall entsteht im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung auch nichts Neues, denn die Situation weckt Erinnerungen und man zeigt aktuell situationsunangemessenes Verhalten aus vergangen Situationen, überholte Denkmuster oder fühlt sich durch Gummibänder emotional in der Zeit zurückversetzt.

Rückfälle entstehen also, wenn kein neues, aktuell situationsangemessenen Verhalten, Denken oder Fühlen entfaltet wird, obwohl diese gereiften Lösungen dem Individuum in anderen Beziehungen oder Situationen zur Verfügung stehen. Schnürsenkel an Arbeitsschuhen werden bspw. nicht zugebunden, wohingegen die Schnürsenkel an den Fahrradrennschuhen mit der Klickpedale für den Heimweg ordentlich zugebunden werden. Vielleicht kommen hier Vergleiche mit der Trotzphase hoch und möglicherweise ist dies ein Grund, sich den Sicherheitsanweisungen der vorgesetzten Person zu widersetzen. Vielleicht handelt es sich auch um einen Menschen, der im Job der Einstellung folgt: „Schläge sind besser als gar keine Anerkennung.“ Auf diese Art und Weise werden durch die erwartete Ansprache auf das Fehlverhalten, die Anerkennung durch die gemeinsame Zeit im Gespräch oder die erwartete Bestätigung der Weltsicht psychologische Bedürfnisse befriedigt. Im Sinne der konstruktiven Entfaltung oder der Ethik der Transaktionsanalyse ist dieses bespielhaft dargestellte Verhalten destruktiv, da es konstruktive, soziale Beziehungen, Entfaltung und Wachstum hemmt.

Störungen und Hemmungen in der Persönlichkeitsentwicklung

Vor einem Rückfall gibt es also stets eine Störung, die den Wachstums- und Autonomieprozess in Teilbereichen oder umfassend hemmt. Generell gibt es Störungen, die als Krankheit bezeichnet werden, hierzu jedoch mehr im Artikel Employee Experience und Coaching in psychisch belastenden Phasen. Krankheiten und Unfälle können daher die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen, genauso wie Glücksfälle, die dann wohl ehr Vorfälle sind.

Autonomiezirkel, Respekt

Voraussetzungen für die Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung braucht Räume und Zeit zur Selbstentfaltung, zum Ausprobieren und Impulse. Dies schließt insbesondere die Erlaubnisse ein, um sich bspw. für verbotene, tabuisierte Denkrichtungen zu öffnen, wie Eltern / Chefs sind fehlbare Menschen anstelle von unfehlbaren Göttern. Auch Hänseln oder Mobbing in der Schule gehört dazu oder andere Situationen, wenn man dadurch verinnerlicht hat, nicht in Ordnung, jemand anderes oder besser nicht zu sein. Trauer und Loslassen sind emotionale Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung, genauso wie Annahme oder Dankbarkeit. Gefühle sind ebenfalls Entfaltungsaspekte in der Persönlichkeitsentwicklung, denn zu oft wurden wir zu tief in Botschaften, Anweisungen und Programme verwickelt, auch was zugehörige sekundäre Gefühle oder Ersatzgefühle anbelangt. Persönlichkeitsentwicklung ist also zum einen das Lösen der Verwicklungen und zum anderen das Entfalten von Begabungen, Talenten, Begeisterung und Freude.

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