Zusammenfassung

Employee Experience ist eine neue Sichtweise auf den potentiell mitarbeitenden Menschen. Aus dieser Perspektive werden von Arbeitgeber:innen Angebote gemacht, die Menschen in verschiedenen Lebensphasen unterstützen und emotional binden. Coaching in psychisch belastenden Phasen ist ein Baustein.

Coaching

Was ist Employee Experience?

Der Begriff Employee Experience umfasst die Erfahrungen eines potentiell mitarbeitenden Menschen mit Arbeit gebenden Menschen eines Unternehmens oder Organisation. Bewusst wähle ich nicht die vorbesetzten Begriffe Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in, denn diese beziehen sich auf einen Arbeitsvertrag. Employee Experience ist weiter gefasst und beginnt bereits vor dem Eintritt in ein Unternehmen oder andere Organisation und wird nicht durch die Kündigung des Arbeitsvertrags beendet. Im Gegenteil, die Zeit nach der Kündigung und dem Austritt aus einem Unternehmen ist vielleicht die Zeit vor dem Wiedereinstieg in das Unternehmen oder der Grundstein für eine starke Netzwerkbeziehung. Employee Experience passt daher wunderbar zu meiner Visualisierung des Artikels „Respekt“ – ein agiler Wert für das Miteinander auf Augenhöhe.

Employee Experience und Coaching in psychisch belastenden Phasen

Wo ist Coaching in psychischen Belastungssituationen angesiedelt?

Im Sprachgebrauch kennen wir noch Formulierungen wie „meine Pumpe funktioniert nicht mehr“ und meinen damit, dass das Herz geschwächt oder wirklich krank ist. Dieses tayloristische Denken von „Mensch = Maschine“ weicht im Zeitalter der digitalen Revolution immer weiter zurück. Dieser Wandel führt zu wachsender Akzeptanz von psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft und demzufolge auch bei der Employee Experience. Ein sprachliches Abbild für diesen Wandel stellen die beiden Zitate von Helmut Schmidt im Abstand von 33 Jahren dar.

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ (Helmut Schmidt, 1980)

„Sie haben einem uralten Mann zugehört. Sie müssen ihn nicht unbedingt ernst nehmen.“ (Helmut Schmidt, 2013)

Depressionen gelten mittlerweile als Volkskrankheit, genauso wie Übergewicht. Die sich ausweitende Akzeptanz kommt auch dem Umgang mit bekannten Suchterkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen wie Alkoholismus und anderem Drogenmissbrauch zugute. Weil die Psyche und psychische Belastungserscheinungen wie Burnout immer breitere Akzeptanz erfahren, ist transaktionsanalytisches Coaching in psychischen Belastungssituationen für viele Unternehmen und Organisationen ein festes Element der Employee Experience oder im Employer Branding. Coaching in psychischen Belastungssituationen ist daher nicht mehr nur im Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) oder im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) zu finden.

Weshalb Coaching in psychisch belastenden Phasen nutzen?

Coaching stärkt die betroffenen Menschen in den psychisch belastenden Lebensphasen, im Job zu bleiben oder wieder in den Joballtag zu finden. Betroffene Menschen können die eigentlichen „Problemträger:innen“, das Team oder die Führungskräfte sein. Zentrale Aspekte im Coaching sind die Entfaltung und Entwicklung im konstruktiven und funktionalen Sinne auch innerhalb der „gesunden“ Hemisphäre. Die Unterstützung stärkt die emotionale Bindung der mitarbeitenden Menschen an die Arbeit gebende Organisation und ist demzufolge wichtiges Element für die Employee Experience.

Wie funktioniert Wachstum?

Das persönliche Wachstum hängt immer mit der Umgebung zusammen und das schon im Mutterleib quasi ab der ersten Zellteilung. Diese Umgebungsbedingungen sind stets ganz individuell. Selbst bei eineiigen Zwillingen stellte man fest, dass die unterschiedlichen Bedingungen im Mutterleib bei jedem Zwilling zu Unterschieden beim Kopieren der DNA führen. Diese Unterschiede bleiben dann bis zum Lebensende oder verändern sich weiter. Die Psyche funktioniert da ähnlich, denn das individuelle, biologische Wachstum funktionierte ja schließlich bis zum sechsten Schwangerschaftsmonat schon mal gut. Ab diesem Alter entfaltet sich nämlich der erste psychische Ichzustand des Menschen, der auch aufgrund körperlicher Erfahrungen lernt.
Wie immer können die Beeinflussungen der Umgebung als Glücksfall oder Störung aufgefasst werden. Glücksfälle sind stets mit Öffnungen und Wachstum verbunden. Störungen führen zu einem Verschließen, Stocken und Verharren. Störungen können so langanhaltend oder heftig sein, dass sie in einzelnen Bereichen wachstumshemmend sind oder gar Entwicklungsstörungen hervorrufen. Störungen führen dann zu dauerhaften Grenzen und „Krücken“, die i.d.R. durch äußeren Druck oder Angst aufrechterhalten werden, selbst wenn die Störung nicht mehr Realität ist.
Transaktionsanalytisches Coaching fördert den Perspektivwechsel, die Öffnung des individuellen Bezugsrahmens, die Neugier und das Glück des freien Kind-Ichzustands. Gewollte Nebeneffekte von Employee Experience sind somit die Stärkung der kreativen Innovationskraft und das Wachsen der Veränderungsaffinität

Coaching versus Therapie

Wie steht es um die Abgrenzung von Coaching, Therapie und Employee Experience?

Eine Grenze mit sehr breitem Grenzstreifen zwischen Coaching in psychischen Belastungssituationen und Krankheit ist mit Sicherheit die Zwangseinweisung oder die Sicherheitsverwahrung. Es gibt auch Kliniken, die sich auf „austherapierte“, therapieresistente Patient:innen spezialisierten. Diese Bereiche liegen per Definition außerhalb des Coachings. Meist liegt der individuelle Einstiegspunkt jedoch bei der Wahrnehmung eines Störgefühls. Dieses Störgefühl muss dann noch so wichtig und dringend werden, dass man etwas unternimmt. Empfindet das Individuum dieses Störgefühl als Kranksein, geht man direkt zum Arzt oder Psychologen. Die Grenze vom Coaching in psychischen Belastungssituationen zur Krankheit und Therapie bildet die Definition eines Krankheitsbildes und dessen Behandlung. Man gilt man aus therapeutischer Sicht als geheilt, wenn die destruktiven Wirkungen der Störung so weit aufgelöst wurden, dass die Indikationen für das Krankheitsbild nicht mehr diagnostizierbar sind. Die Benutzung eines Gehstocks ist z.B. gesund, das Gehen mit Krücke (Gehhilfe) ist hingegen krank. Coaching in psychischen Belastungssituationen kann auch Zeit- und Selbstmanagement oder Resilienzaufbau im beruflichen Alltag umfassen und eine Burnout-Therapie unterstützen. Das Erkennen von somatischen Markern im Job und hilft beispielsweise bei der Therapie, weil die Körperwahrnehmung in diesem Umfeld vielleicht anders ist, so dass dieser Impuls in die Therapie einfließt oder umgekehrt. Solche Aha-Effekte befruchten dann Therapieprozess und Coachingprozess gleichermaßen. Vielfach habe ich auch vernommen, dass die Coachees plötzlich im Coaching erkennen, dass sie das ja bereits aus der Therapie kennen, jedoch nie im Leben auf die Idee gekommen wären, das auch im Job zu machen.

Im Coachingkonzept sind weitere Indikationen und Kontraindikationen dargestellt. Diese Abgrenzung beim Coaching muss nicht mit denen der Employee Experience übereinstimmen, denn manche Arbeitgeber:innen bieten auch psychologische Beratungen durch Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen oder Psychiater:innen an.

Welche Methoden werden im transaktionsanalytischen Coaching verwendet?

Der Unterschied zwischen Coaching in psychischen Belastungssituationen und Therapie besteht nämlich oft nicht in den Methoden und Techniken. Ich nutze beispielsweise, hauptsächlich die Transaktionsanalyse. Die Transaktionsanalyse umfasst eine Systematik, die von der Psychotherapie über Pädagogik und Bildung bis zur Beratung in Organisationen angewendet wird. Auch viele Ansätze aus der Agilität oder New Work basieren auf psychologischen Erkenntnissen, z.B. aus der positiven Psychologie. Es liegt daher nahe, dass Employee Experience ebenfalls Elemente aus diesen modernen Ansätzen enthält.

Welche besonderen Belastungssituationen kennt die Arbeitspsychologie oder Personalpsychologie?

Die dunkle Triade ist in der Arbeitspsychologie oder Personalpsychologie bekannt und sollte meist nicht mehr Bestandteil aktueller Employee Experience sein. Die dunkle Triade umfasst Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie. Subklinisch bedeutet natürlich, dass es auch ein klinisches Krankheitsbild gibt, genauso wie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ein Krankheitsbild ist. Auf der Gegenseite dieser Triade steht dann der meist ehr unbekannte narzisstische Missbrauch als eine Sonderform des emotionalen Missbrauchs. Häufig gesellt sich zum emotionalen Missbrauch auch sexueller Missbrauch oder körperlicher Missbrauch. Einige in der Kindheit missbrauchte Coachees oder Menschen mit stärker ausgeprägten, abhängigen Persönlichkeitsstrukturen erkennen demzufolge im Coaching sich wiederholende Muster aus der Vergangenheit und bewerten Erlebtes aus anderen Perspektiven neu. Missbrauch und Missbrauchsfolgen sind in der Gesellschaft und demzufolge im Arbeitskontext häufig tabuisierte Themen. Missbrauch ist auch keine Krankheit, weder als missbrauchender Mensch noch als missbrauchter Mensch. Missbrauch kann aber Straftaten beinhalten und hat schwere traumatische Auswirkungen. Coaching in psychischen Belastungssituationen kann daher auch helfen, die Ursachen hinter den Symptomen zu erkennen und diese in einem Heilungsprozess aufzulösen. Bei Amazon kann man einen Blick in ein tolles Buch werfen, dass dieses Heilungsprozess unterstützen kann. (Werbung)

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